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„ES IST EIN GROSSARTIGES PROJEKT!“

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In der Top-Winterausgabe 2023 sprach Chefredakteur Manfred Gerz mit Dr.-Ing. Kai Mifka, Leiter des Koblenzer Tiefbauamtes und Verantwortlicher beim Neubau der Pfaffendorferbrücke, über das Mega-Projekt, das mehr als 180 Millionen Euro kosten soll. Jetzt hat das Top Magazin erneut mit Dr. Mifka gesprochen, und sich über den aktuellen Stand der aufwändigen Baumaßnahme informieren lassen.

Top: Herr Dr. Mifka, hat sich das Großprojekt Brückenneubau planmäßig weiter entwickelt?

Dr. Mifka: Grundsätzlich läuft es gut, wir haben die „Halbzeit“ erreicht. Der reine Stahlbau ist zu 60 Prozent fertig gestellt, im Herbst sollen die letzten Arbeiten daran abgeschlossen werden. Danach wird die Fahrbahnplatte gegossen und weitere Ausstattungen montiert. Anfang 2029 soll dann der Verschub der komplett neuen Brücke auf den alten Teil erfolgen, danach stehen noch weitere Detailarbeiten an. Ich bin mit der Gesamtentwicklung zufrieden!

Top: Welches waren dabei die schwierigsten und aufwändigsten Maßnahmen?

Dr. Mifka: Die größte Herausforderung war die Gründung der Schiffsabweiser, die acht Meter tief im Flussbett verankert wurden, um eventuelle Kollisionen mit großer Tonnage auszuhalten. Wir mussten dauernd die wechselnden Wasserstände des Rheins im Auge behalten, um bei dieser speziellen Maßnahme immer richtig zu reagieren. Auch war die permanente lokale Kampfmittelortung sehr aufwändig aber wichtig – wie sich ja auch herausstellte ...

Top: Gab es in diesem Bereich denn besondere Vorkommnisse?

Dr. Mifka: Allerdings! Wir hatten zwei Bombenfunde, die unsere Arbeiten sehr eingeschränkt haben. Eine Bombe wurde geborgen, auf die Schmittenhöhe gebracht, und dort kontrolliert gesprengt. Eine zweite hing plötzlich an einer Baggerschaufel (links); sie wurde auf einem Ponton nach Lay gebracht und dort vom Kampfmittelräumdienst entschärft.

Top: Was steht als nächste, spektakuläre Maßnahme an?

Dr. Mifka: Im August erfolgt der endgültige Brückenschluss an der neuen Brücke. Dann werden zwei Stahlteile von je 100 Meter Länge eingehoben! Aus Sicherheitsgründen muss dafür die alte Brücke allerdings für zwei Tage voll gesperrt werden.

Top: Die öffentlichen Baustellenführungen erfreuen sich noch großer Beliebtheit?

Dr. Mifka: Oh ja! In den ersten zweieinhalb Jahren der Baustelle haben wir die stark nachgefragten Führungen noch selbst organisiert. Auch haben wir einen Tag der offenen Tür mit über 600 Besuchern durchgeführt. Das ist uns aber alles über den Kopf gewachsen, es musste eine andere Lösung her. Die haben wir jetzt in der Zusammenarbeit mit der Koblenz-Touristik gefunden. Die Touristik bietet die Führungen mit eigenen, speziell geschulten Führern an. Das ist eine große Entlastung für uns, auch können die beteiligten Baufirmen mit dieser Lösung gut leben. Auf der nördlichen Seite der alten Brücke gibt es einen Brückenturm, von dem aus tolle, sehr nahe Einblicke auf die Baustelle möglich sind (Infos und Anmeldung zu den wöchentlichen Führungen unter www.koblenz-baut.de).

Top: Gibt es immer noch Vandalismus an den Lichtzeichenanlagen auf der Brücke?

Dr. Mifka: Da hat sich, im Vergleich zur Anfangszeit, sehr viel zum Positiven verändert. An der Lichtzeichenanlage hat es keine mutwilligen Beschädigungen mehr gegeben. Das ist auch der Tatsache geschuldet, dass der gesamte Baustellenbereich mittlerweile durch massive Zaunanlagen gut geschützt ist.

Top: Ihre Motivation ist immer noch groß, dieses Mega-Projekt zu einem guten Ende zu führen?

Dr. Mifka: Selbstverständlich ist meine Motivation nach wie vor sehr hoch! Sechseinhalb Jahre Bauzeit an einem Projekt sind schon außergewöhnlich. Für alle Beteiligten ist es sehr fordernd, aber auch interessant und abwechslungsreich. Wir freuen uns täglich über jeden Punkt, den wir abarbeiten konnten. Das beinhaltet auch eine große Verantwortung, die wir aber gerne annehmen. Mein großes Bestreben ist, das Gesamtprojekt am Laufen zu halten, ein Baufortschritt muss immer erkennbar sein!

Top: Große Baumaßnahmen können ja finanziell aus dem Ruder laufen! Wie sieht die Kostenentwicklung bei der neuen Brücke aus?

Dr. Mifka: Wie man aus meinen vorangegangenen Äußerungen entnehmen kann, gab es bereits Vorgänge, die länger gebraucht haben oder umfangreicher wurden als angenommen. Das kostet mehr Geld. Allerdings hat man bei einer Baumaßnahme, die eine Laufzeit von mehr als sechs Jahren hat, auch Stellschrauben, an der einen oder anderen Stelle Geld einzusparen, z. B. durch technische Optimierungen. Wir agieren hier mit der Bauarbeitsgemeinschaft sehr partnerschaftlich. Das Gute ist, dass die Kampfmittelsondierer weitgehend abgeschlossen haben und auch die Kosten des Wasserbaus absehbar feststehen. Damit liegen die meines Erachtens größten finanziellen Risiken hinter uns.

Top: Sie haben schon sehr viele anspruchsvolle, große Bauprojekte verantwortlich begleitet. Was ist für Sie der besondere Reiz gerade an diesem Brückenneubau?

Dr. Mifka: Mein letztes herausragendes Projekt war der Bau eines innerstädtischen Tunnels in Diez, mit Unterquerung der Lahntalbahn und Sprengvortrieb. Danach fragt man sich: Was kommt jetzt? Der Bau einer Rheinbrücke mitten in einer besonderen Stadt ist eine mythische Herausforderung mit den beschriebenen Aufgaben zu Wasser und zu Lande. Ich wusste um die Neubauabsichten, und jedes Mal, wenn ich über die Brücke gefahren bin, habe ich gedacht: „Wie die Stadt das wohl hinbekommt?“ Wenn ich die Gelegenheit nicht ergriffen hätte, Teil des Projekts zu werden, hätte ich es vermutlich mein restliches Berufsleben bereut!

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