
„Ich möchte etwas machen, das wirklich zu mir passt.“ Diesen Satz höre ich häufig, wenn ich mit jungen Menschen über ihre berufliche Zukunft spreche. Er beschreibt sehr treffend, wie viele ihre Berufsentscheidung heute angehen: bewusst, praxisnah und mit dem Wunsch nach einer Tätigkeit, die den eigenen Talenten, Interessen und persönlichen Zielen entspricht.
Die duale Ausbildung bietet dafür hervorragende Voraussetzungen. Sie verbindet Lernen und Arbeiten, überträgt früh Verantwortung und eröffnet vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten. Für viele junge Menschen ist sie kein Umweg, sondern ein direkter Einstieg ins Berufsleben. Dass dieser Weg trägt, weiß ich auch aus eigener Erfahrung. Mein Berufsleben begann mit einer dualen Ausbildung und einem dualen Studium. Die enge Verzahnung von Theorie und Praxis hat mich nachhaltig geprägt, denn sie vermittelt weit mehr als Fachwissen. Sie stärkt Eigenverantwortung, Teamfähigkeit und die Fähigkeit, Herausforderungen pragmatisch zu lösen. Das sind Kompetenzen, die heute wichtiger sind denn je.
Viele junge Menschen bringen dafür bereits wichtige Voraussetzungen mit. Sie sind digital versiert, lernbereit und gehen selbstverständlich mit Veränderungen um. Die duale Ausbildung greift diese Stärken auf und entwickelt sie gezielt weiter. Unsere Unternehmen leisten dazu täglich ihren Beitrag. Sie investieren Zeit, Engagement und Erfahrung, begleiten junge Menschen und geben ihnen Orientierung und Sicherheit auf ihrem beruflichen Weg.
Gerade im nördlichen Rheinland-Pfalz zeigt sich, wie tragfähig dieses Modell ist. Die Region ist wirtschaftlich vielfältig und eng vernetzt. Viele mittelständische Betriebe sind tief vor Ort verwurzelt und bilden gezielt für den eigenen Bedarf aus. Für Auszubildende entstehen daraus nicht nur gute Lernbedingungen, sondern oft auch klare Perspektiven im direkten Umfeld.
Und dennoch gibt es Herausforderungen, die wir ernst nehmen müssen. Die Qualität der Ausbildung ist hoch, die Chancen sind gut. Doch die gesellschaftliche Anerkennung hält damit nicht immer Schritt. Zu häufig wird die duale Ausbildung noch durch die Brille vergangener Vorstellungen betrachtet, obwohl sie längst ein moderner, anspruchsvoller Bildungsweg ist. Die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung muss sich auch im Denken und Handeln unserer Gesellschaft abbilden. Gleichzeitig besteht bei den Rahmenbedingungen weiterer Handlungsbedarf. Gerade bei den Berufsschulen zeigen sich auch in unserer Region Herausforderungen bei Ausstattung, Organisation und Lernumfeld.
Gute Ausbildung entsteht im Zusammenspiel von Betrieben, Berufsschulen, Kammern und Politik. Die Unternehmen leisten ihren Beitrag jeden Tag. Jetzt braucht es verlässliche Rahmenbedingungen und klare Prioritäten. Die duale Ausbildung ist eine der großen Stärken unseres Landes. Sie eröffnet jungen Menschen Chancen, sichert Unternehmen ihre Zukunft und schafft Wohlstand für unsere Gesellschaft. Geben wir ihr die Anerkennung und Aufmerksamkeit, die sie verdient.
Susanne Szczesny-Oßing
IHK-Präsidentin